Qualifikation als Allheilmittel in der Sicherheit?

Gepostet Von Michael Kulig am 25. Jul. 2018


KLEsecur Sicherheitsdienst

“Fehlende Qualifikation” als Reflexantwort

Dass die Sicherheitsbranche oft mit den falschen Mitarbeitern zu kämpfen hat, ist kein Geheimnis – vielmehr ist das Gegenteil der Fall. In der Öffentlichkeit entstand durch das Aufblasen von Negativmeldungen zunehmend ein Prügelknabe, der für auflagenträchtige Skandalmeldungen herhalten muss.

Seit Anbeginn der Menschheit gibt es in jedem Team Nieten. Das war schon immer so und zieht sich durch alle Branchen. Dass davor auch ein Studium nicht schützt, zeigt der Berliner Flughafen eindrucksvoll. Durch fehlende Gegensteuerung in der Öffentlichkeitsarbeit hat es die Sicherheitsbranche jedoch geschafft, zum Dauerbrenner zu werden.

Warum? Na weil die Ausbildung nicht stimmt! Wir haben noch immer zu viele schlecht qualifizierte Mitarbeiter in der Sicherheit! Wirklich? Ist das der Hauptgrund für die immer wieder auftretenden Meldungen oder für das schlechte Image der Sicherheit ganz allgemein?

Qualifikation als Filter

Eines steht fest und braucht hier nicht diskutiert zu werden: Eine gute Ausbildung in der Sicherheit ist wichtig und als Besonderheit dieser Branche unter Umständen lebenswichtig. Zu wissen, in welchem rechtlichen Rahmen man sich bewegen darf, erdet so manchen Hilfssheriff, der sonst über die Stränge schlagen würde.

Eine gute Ausbildung erfüllt neben der Wissensvermittlung aber noch eine zweite wichtige Funktion: Sie wirkt als Filter. Wer es nicht ernst meint mit seinen Absichten und die Sicherheit als bloße Möglichkeit sieht, sich am Wochenende ein paar Euros dazu zu verdienen oder wer nicht einsehen will, dass auch Konfliktgegner gewisse Rechte haben, bleibt in diesem Filter hängen.

Je höher die Qualifikation, umso engmaschiger wird dieser Filter schließlich und man kann grundsätzlich davon ausgehen, dass die Anzahl der Problem-Mitarbeiter auf diesem Weg abnimmt. Natürlich gibt es dank Farbdrucker und Photoshop die Möglichkeit, diesen Prozess zu umgehen, aber das ist ebenso ein anderes Thema, wie die Tatsache, dass es auch auf dem höchsten Posten völlige Versager gibt, bei denen es wiederum an anderen Komponenten fehlt.

KLEsecur Sicherheitsdienst

Wer entscheidet?

Bei der ganzen Diskussion um die Qualifikation im Bewachungsgewerbe vermisse ich die Frage, wer eigentlich über die nötige Qualifikation des eingesetzten Personals entscheidet. Dies kann natürlich der Staat mit dem Holzhammer erledigen, wenn ihm mal wieder der Kragen platzt und er Mindestvorgaben macht. Aber in der großen Masse entscheidet eigentlich ein ganz anderer – nämlich der Kunde!

Der Auftraggeber macht letztlich die Vorgaben, über welche Ausbildung der Dienstleister verfügen muss. Dies jedoch – und das ist ein entscheidender Punkt – setzt wiederum voraus, dass er über die Qualifikationen im Bilde ist! Dass er unterscheiden kann zwischen der Sachkundeprüfung nach § 34 a GewO und der Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft, die er wiederum nicht mit der Servicekraft für Schutz und Sicherheit oder der Fachkraft für Schutz und Sicherheit verwechseln darf.

Es muss deshalb die Frage erlaubt sein, ob sich unsere Branche nicht zu sehr mit sich selbst befasst und dabei vergisst, den Kunden mitzunehmen. Sich in immer neuen Abschlüssen und Fortbildungswegen suhlt, die der eigentliche Besteller unserer Leistung schon lange nicht mehr durchblicken kann und will.

Und was ist jetzt die Lösung?

Wie so oft dürfte die Lösung nicht in isolierten Einzelmaßnahmen liegen, denn genau das könnte ja ursächlich für die Probleme in der Sicherheitsbranche sein. Womöglich hat man sich in der Vergangenheit zu sehr darauf verlassen, dass entweder der Gesetzgeber zwingt oder die Wachdienste und deren Mitarbeiter selbst zur Einsicht kommen. Der Auftraggeber als zentraler Entscheider ist dabei außen vor geblieben.

Hier könnte Aufklärungsarbeit wichtige Dienste leisten, damit der Auftraggeber den Wert seiner bestellten Dienstleistung überhaupt richtig taxieren kann. Viel zu oft entscheiden Excel-Tabellen in Einkaufsabteilungen darüber, wer den Auftrag erhält – und dabei macht leider meist der Günstigste das Rennen. Wen wundert’s, wenn man andere Kriterien überhaupt nicht einschätzen kann.

Ein bisschen erinnert die ganze Problematik an Rückhaltegurte und Airbags im Auto, die zunächst vom Kunden als überflüssiger Schnickschnack abgetan wurden – dafür auch noch Aufpreis zu zahlen, erschien schon fast unverschämt. Eine Kombination aus gesetzlicher Vorgabe und Einsicht durch Aufklärung sorgte aber dafür, dass diese Bestandteile schon lange nicht mehr als unnötiger Luxus gesehen werden.

Einen solchen Ansatz könnten Verbände und Arbeitsgruppen verfolgen, die die Entscheider auf Seiten des Auftraggebers in einem Mindestumfang informieren und auf dem neusten Stand halten. Auch die Erarbeitung eines leicht verständlichen und dadurch wirklich gelebten “Qualitätssiegels” könnte Sinn machen.

Schade wäre es andererseits, wenn nur noch bei höchstmöglicher Qualifikation von einem guten Mitarbeiter ausgegangen werden kann. Es gibt genug einfache, aber nicht minder wichtige Aufgaben im Bewachungsgewerbe, bei denen die Unterrichtung nach § 34 a GewO völlig ausreicht und hier ist es eindeutig Aufgabe des Auftragnehmers, trotz der geringen Eintrittsschwelle geeignetes Personal einzusetzen.

Kein leichtes Unterfangen angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Autor des Blog-Beitrags

Michael Kulig

Michael Kulig

Geschäftsführer

Michael Kulig ist Geschäftsführer von COREDINATE und berichtet in unserem Blog regelmäßig über interessante Themen und Trends rund um die Branchen Sicherheit und Facility Management.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.