Wächterkontrollsystem mit Nachtsicht – Teil 2

Gepostet Von Sebastian Kulig am 10. Jan. 2017


Wächterkontrollsystem mit Nachtsicht – Teil 2

Interessante Kombination

Strenggenommen ist das Wächterkontrollsystem COREDINATE reine Software – gerade das macht die Lösung aber so flexibel. Eine besonders spannende Kombination ergibt sich, wenn man die COREDINATE App auf einem Handy mit aufgesteckter Wärmebildoptik ausführt. Was dabei herauskommt? Nichts weniger als ein Wächterkontrollsystem mit Nachtsichtfunktion. Teil 2 unseres Tests.

 

Nachtsichttechnik im Wachdienst – zunemend interessant

In Teil 1 unseres Tests waren wir bereits auf die Grundzüge der Nachtsichttechnik eingegangen und hatten festgestellt, dass es „die eine Technik“ nicht gibt. Vielmehr gibt es verschiedene Ansätze bei der Restlichtverstärkung, bei der wiederum ganz andere Ansätze verfolgt werden wie bei der Wärmebildtechnik.

Die Wärmebildtechnik bietet im direkten Vergleich zur Restlichtverstärkung diverse Vorteile, rangierte bislang preislich jedoch auch auf einem höheren Niveau. Schon alleine die Tatsache, dass diese Technik Lebewesen im Bild besonders hervorhebt, macht sie jedoch für den Wachdienst interessant – umso mehr, nachdem in letzter Zeit auch die Preise von Wärmebildoptiken stark gefallen sind.

Typische Anwendungsfälle für die Sicherheitsdienstleistung wäre z. B. die Freifeldüberwachung (Solarfelder, Baustellen etc.) oder der erste Überblick in großen Hallen ohne Beleuchtung. In unübersichtlicher Umgebung ist es von großem Vorteil, dass belebte Objekte regelrecht leuchten und die „kalte“ Umgebung eher ausgeblendet wird. Versteckt sich jemand im Außenbereich hinter Gebüsch oder im Innenbereich hinter einem Regal, hat man mit einer Wärmebildkamera gute Chancen, ihn trotzdem aufzuspüren.

 

Eine Technik, verschiedene Varianten

Aktuell lässt sich die Wärmebildtechnik auf drei verschiedenen Wegen nutzen:

  • Wärmebildkamera
  • Smartphone mit integrierter Wärmebildoptik (siehe Teil 1)
  • Aufstecksystem für das Smartphone

Separate Wärmebildkameras sind meist recht teuer, wenn auch für die Profianwendung (Wartungsarbeiten, Wärmedämmung oder Rettungseinsatz) unerlässlich. Eine separate Wärmebildkamera im Wachdienst zusätzlich „herumzuschleppen“ erscheint wenig praktikabel und kommt eher für spezialisierte Betriebe (z. B. Baustellenbewachung) in Frage.

In letzter Zeit kam jedoch Bewegung in den Markt und der Branchenprimus auf dem Wärmebildmarkt – die Firma FLIR – hat interessante Ideen eingebracht. Alleine die Integration einer Wärmebildkamera in ein normales Handy, wie dem Caterpillar S60, zu einem Gesamtpreis, der schon niedriger liegt als bisher alleine für die Optik, ist ein echter Quantensprung.

Ebenfalls von FLIR kommt mit dem „ONE“ ein interessanter Aufsatz, mit dem man quasi jedes Smartphone in eine Wärmebildkamera verwandeln kann. Genau mit diesem Aufsatz beschäftigt sich dieser Blog-Beitrag.

Aufsatz FLIR ONE - Wärmebildkamera

Die FLIR ONE

Wie bereits erwähnt, ist die FLIR ONE ein Aufsatz für das Smartphone, über den sich eine Wärmebildfunktion nachrüsten lässt. Der Aufsatz ist für die beiden wichtigsten Betriebssysteme Android und iOS verfügbar, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Mit an Bord sind gleich zwei eigene Kameras, wobei eine für das eigentliche Wärmebild zuständig ist und die andere ein normales Kamerabild, wie wir es kennen, aufnimmt.

Durch dieses Doppelbild ergibt sich einer der wesentlichen Vorteile der FLIR ONE im Vergleich zu anderen Modellen wie denen von Seek: FLIR legt das Wärmebild praktisch über das normale Kamerabild, was die Umrisse der gefilmten Objekte noch erkennen lässt. Eine normale Wärmebildkamera liefert nämlich nur die reine Wärmesignatur – und die sieht auf den ersten Blick aus wie ein bunter Brei, bei dem man sich erstmal orientieren muss.

Preislich liegt die FLIR ONE zum Zeitpunkt dieses Artikels bei rund 230 Euro, was für eine reine Spielerei zu teuer, für ein nützliches Gadget aber durchaus in Ordnung ist.

 

Praxistest

Die Installation der FLIR ONE geht recht leicht von der Hand. Letzlich ist nur die Installation der zugehörigen App erforderlich, dann kann der Aufsatz schon angesteckt und losgelegt werden. Der Aufsatz selber trägt relativ wenig auf – sicher, große Handys werden dabei noch größer, aber die FLIR ONE fügt sich recht gut in die Proportionen üblicher Smartphones. Immerhin gibt es eine gummierte Schutzhülle, aber es besteht natürlich immer die Gefahr, dass die Anschlussstelle herausbricht, wenn man den Aufsatz dauerhaft angesteckt lässt und damit irgendwo anstößt.

Auf diese Gesamtstabilität hat übrigens auch Einfluss, in welche Richtung die USB-Buchse des Smartphones aus dem Gehäuse kommt. Hat man Pech, zeigt die FLIR ONE nach dem Anstecken in die falsche Richtung und muss mit einem Adapter erst umgedreht werden. Dies wiederum erhöht jedoch nochmals die Aufbauhöhe und macht das Ganze dann doch zu einem recht wackeligen Konstrukt. Für eine kurzzeitige Nutzung durchaus noch tragbar, aber länger angesteckt lassen kommt in diesem Fall eher nicht in Frage.

FLIR ONE im Einsatz

Sobald die App installiert und der Aufsatz aufgesteckt wurde, ist das System nutzbar. Dafür genügt der Start der App, die dann automatisch auf die Spezialoptik zurückgreift und erste Bilder liefert. Hier sollte man sich nicht zu viel erwarten: Personen sind bis zu einer Entfernung von 20 Metern durchaus als solche zu erkennen, aber hochauflösend geht definitiv anders. Bei weiteren Distanzen ist dann immer weniger zu erkennen – meist nur noch ein heller sich bewegender Fleck. Auf der anderen Seite genügt oftmals schon diese Information, um dem Objekt seine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.

Gut gemacht sind auch die verschiedenen Bildprofile, die zur Auswahl stehen. Je nach Anwendungsfall lassen sich z. B. nur Extremwerte farbig anzeigen – eine heiße Tasse Kaffee wird rot angezeigt, der Rest ist in helles Grau getaucht. Zahlreiche andere Profile ermöglichen es, fast jeden Temperaturbereich im zur Verfügung stehenden Spektrum mit einem Farbschema seiner Wahl darzustellen.

 

Separater Akku

Natürlich belastet alles, was man an sein Smartphone anhängt – egal ob Software oder Hardware – immer auch den Akku, denn es wird unweigerlich mehr Rechenleistung vom Handy verlangt. Hier kommt der FLIR ONE entgegen, da sie über einen eigenen Akku verfügt und somit den des Smartphones nicht merklich belastet. Wir konnten jedenfalls keine große Beeinträchtigung feststellen. Allerdings muss die FLIR ONE dann auch separat geladen werden, wenn sich der eigene Akku nach rund 30 bis 60 Minuten (je nach Nutzung) dem Ende neigt.

Ansonsten bietet die FLIR ONE übliche Kamerafunktionen. So können neben einzelnen Bildern auch Videos gedreht und sogar Panoramaaufnahmen angefertigt werden. Die Qualität der Videos ist dabei durchaus in Ordnung, auch wenn ein leichtes Ruckeln bemerkbar ist. Der Speicherort der gemachten Aufnahmen kann frei gewählt werden.

 

Fazit

Unser Resümee: Für Wachdienste, die in unübersichtlichem Gelände oder in der Freifeldüberwachung tätig sind, ist die FLIR ONE als Zubehör für das Diensthandy nicht uninteressant. Es darf dabei natürlich nicht um die Identifikation von einzelnen Personen gehen, denn dafür ist die Auflösung zu grob. Dafür ist die FLIR im Speziellen und eine Wärmebildkamera im Allgemeinen aber auch nicht gedacht. Vielmehr geht es darum, verdächtige Wahrnehmungen prüfen oder sich einen ersten Überblick verschaffen zu können – und da schlägt sich die FLIR ONE durchaus wacker.

Interessant ist natürlich – wie auch schon beim S60 von Caterpillar – die Kombination mit COREDINATE, denn dann ist das Smartphone nicht nur Diensttelefon, sondern auch Wärmebildkamera und Wächterkontrollsystem in einem.

Weitere Informationen zu COREDINATE gibt es hier.

 

Lesen Sie hier Teil 1: Wächterkontrollsystem mit Nachtsicht

 

Bilder: FLIR, COREDINATE

Autor des Blog-Beitrags

Sebastian Kulig

Sebastian Kulig

Geschäftsführer

Sebastian Kulig ist Geschäftsführer von COREDINATE und für die Fachbereiche Vertrieb und Finanzen zuständig. In unserem Blog berichtet er in regelmäßigen Abständen von neuen Branchentrends und interessanten Lösungsansätzen.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese recht nützlichen und interessanten Informationen

    Hochachtungsvoll

    Thomas Bruné

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