Wachmann oder Alarmanlage?

Gepostet Von Sebastian Kulig am 07. Jun. 2016


Wachmann oder Alarmanlage?

 

Ein Land rüstet hoch

Irgendwann wird sie kommen: Die Alarmanlage bei Aldi. Alarmanlage werden immer günstiger, kompakter, alltäglicher – wenn auch nicht unbedingt besser. Der Staat tut sein Übriges und zahlt mittlerweile sogar Zuschüsse für die Anschaffung von Alarmtechnik aus. Droht dem Sicherheitspersonal bei einer solchen Anlagenflut bald das, aus anderen Berufen bekannte, Schicksal „Maschine ersetzt Mensch“?

 

Vom Spezialequipment zur alltäglichen Technik

Ähnlich wie die Videoüberwachungstechnik hat auch die Alarmtechnik eine lange Reise hinter sich. Einst Wohlbetuchten und Banken vorbehalten und in der Anschaffung nicht immer günstiger als das, was sie eigentlich schützen sollten, werden Alarmanlagen immer mehr ein Stück alltägliche Technik. Möglich macht dies eine verstärkte Nachfrage, insbesondere auf dem privaten Sektor und in der Folge eine billigere Produktion, um solche Systeme auf dem breiten Markt erschwinglich zu machen. Erkauft wurde dies allerdings auch mit dem Verzicht auf gehobene Qualitätsansprüche sowie auf Standards, die professionelle Anlagen erfüllen (z. B. VdS).

Was insbesondere dem privaten Anwender auch entgegenkommt: Immer mehr Anlagen übertragen ihre Signale per Funk und damit kabellos – das aufwendige und kostenintensive Verlegen von Leitungen entfällt ebenso wie kosmetische Reparaturen an Haus und Heim, wenn die Kabel erst einmal verlegt sind und der Wandputz wieder geschlossen werden muss.

COREDINATE: Wachmann oder Alarmanlage

Ein weiterer Trend lässt gar vermuten, dass man der eierlegenden Wollmilchsau schon recht nahe ist: Die zunehmende Verschmelzung von Alarm- und Videotechnik. Das macht nicht nur im Privathaus Sinn, denn geht erst mal ein Alarm ein, muss im nächsten Schritt verifiziert werden, ob es sich wieder nur um einen Vogel in der Lagerhalle handelt oder um ungebetenen Besuch mit weit boshafteren Absichten. Längst gibt es komplette Systeme aus Alarmtechnik zur Installation vor Ort und einer Leitstelle, die den Alarm per Sichtverbindung überprüft und ggf. direkt die Polizei verständigt.

 

Menschliche Schwäche

Die Technik, so scheint es, wird auch im Sicherheitsbereich immer besser und immer erschwinglicher. Dem gegenüber steht die klassische Sicherheitsdienstleistung. Ein Berufszweig, der – beginnend beim Nachtwächter, der an der Stadtmauer die letzte Schließrunde absolvierte – auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken kann. Viele andere Berufszweige fielen im Laufe dieser Zeit der Modernisierung zum Opfer – die Bewachungsdienstleistung konnte sich jedoch nicht nur gegen diese Entwicklung behaupten, sondern das Tätigkeitsfeld sogar weiter ausbauen.

Aber: Trotz Niedriglohnsektor, in dem sich der Wachdienst klassischerweise bewegt, verursacht er Kosten. Aufgrund nachziehender Löhne nicht nur tendenziell steigende, sondern im Unterschied zu einer Alarmanlage auch regelmäßige. Hinzu kommt, dass der Auftraggeber teilweise der naiven Vorstellung nachhängt, dass auch der Bewachungstätigkeit immer gleich ein messbarer Erfolg gegenüber stehen muss – am liebsten ein paar Verhaftungen pro Nacht! Dass man eben vor Ort ist, um es gar nicht so weit kommen zu lassen, verstehen die wenigsten Zahlenfans in der Einkaufsabteilung.

Gleichwohl gibt es natürlich Vorzüge bei der Alarmtechnik, im Vergleich zur klassischen menschlichen Dienstleistung. Ein Bewegungsmelder verrichtet seinen Job – regelmäßige Wartung vorausgesetzt – grundsätzlich immer mit der gleichen Aufmerksamkeit. Die Alarmzentrale mit Wählapparat ruft eisern immer die richtigen Ansprechpartner an, sobald dies einmal korrekt in den Schaltkreisen hinterlegt wurde. Selbst wenn sich ein Wachdienst um ein stabiles Team bemüht und häufigen Personalwechsel vermeidet, ist diese Konstanz schwer zu erreichen.

Und natürlich hat eine Alarmanlage noch einen weiteren Vorteil, der sich mit menschlichem Personal nur schwer abbilden lässt: Je nach Anzahl der Sensorik lässt sich eine große Fläche gleichzeitig überwachen. Insbesondere bei großen Objekten lässt sich eine Lagerhalle am einen Ende in Ruhe leeren, während die Sicherheitskraft am anderen Ende unterwegs ist (Sparauflagen lassen grüßen!). Große Anlagen mit einigen Dutzend Meldern hingegen sind in der Lage, auch große Fabrikanlagen halbwegs abzusichern.

 

Kombination als Schlüssel

Angesichts der genannten Vorteile stellt sich die Frage, ob schließlich und endlich auch in der Sicherheitsdienstleistung die Maschine den Menschen verdrängen wird – zumal die Technik sich bekanntermaßen exponentiell weiterentwickelt, also nicht in gleichmäßiger, sondern im immer schnellerer Geschwindigkeit.

Sicher fallen dem Wachmann mal die Augen zu, während eine Alarmanlage permanent die gleiche Leistung bringt. In Stresssituationen entfallen dem Wachmann vielleicht seine Ansprechpartner, während eine Alarmanlage schon längst eine telefonische Verbindung aufbaut. Auf Dauer hat eine Alarmanlage wohl auch bei den Kosten die Nase vorn. Aber: Eine Alarmanlage kann keine Situation beurteilen. Sie riecht den Schwelbrand im Innenhof genauso wenig, wie sie Graffiti an der Mauer erkennt oder die Tatsache, dass ein verdächtiges Fahrzeug schon zum dritten Mal seine Kreise um das Betriebsgelände zieht.

Eine Alarmanlage kann auch nicht improvisieren und auf eine bestimmte Situation flexibel reagieren. Sie wird immer nur genau das tun, was man ihr einprogrammiert hat. Einem Unternehmen, dass sich alleine auf Sicherheitstechnik verlässt, bleibt nur zu wünschen, dass sich auch ungebetene Gäste genau an dieses Drehbuch halten – andernfalls kann es sein, dass sich die raffinierte Alarmanlage mit Wärmebild und Kennzeichenerkennung selbst schon am nächsten Tag auf Ebay wiederfindet.

Warum nicht die Vorteile aus beiden Welten kombinieren? Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Eine solche Zusage gegenüber dem Kunden abzugeben, wäre unseriös. Aber eine Sicherheitskraft vor Ort, kombiniert mit der Sensorik eines Alarmsystems in der Fläche, macht das Sicherheitsnetz weit engmaschiger, als es ohne technische Unterstützung wäre. Im Gegenzug ergänzt die Sicherheitskraft die an sich starre Technik und kann auf jede Situation reagieren. Nicht zuletzt dient dies auch der Eigensicherung des Mitarbeiters, da er oder sie bei einem gut durchdaten Meldesystem rechtzeitig vorgewarnt wird und das Überraschungsmoment nicht zu Gunsten eines möglichen Eindringlings ausfällt.

Man hört sie förmlich rufen, die Kritiker: „Was das alles kostet!“. Etwas aberwitzig ist diese ewig geführte Kostendiskussion schon, die einem Bewachungsunternehmer stets entgegenschlägt. Ein Unternehmen hat kein Problem damit, Maschinen im zweistelligen Millionenbereich anzuschaffen, aber nachts, wenn alle schlafen und nur die Sicherheitskraft alleine über genau diese Maschinen wacht – über die Existenz des gesamten Unternehmens – wird überall gespart. Erst im Ernstfall avanciert der Wachmann oder die Wachfrau dann schlagartig zum wichtigsten Mitarbeiter. Wohl dem Wachdienst, der hier vorausschauende Kunden betreuen darf.

 

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Autor des Blog-Beitrags

Sebastian Kulig

Sebastian Kulig

Geschäftsführer

Sebastian Kulig ist Geschäftsführer von COREDINATE und für die Fachbereiche Vertrieb und Finanzen zuständig. In unserem Blog berichtet er in regelmäßigen Abständen von neuen Branchentrends und interessanten Lösungsansätzen.

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