Unterrichtung nach § 34a GewO – nur ein notwendiges Übel?

Gepostet Von Michael Kulig am 13. Jul. 2016


Unterrichtung nach § 34a GewO – nur ein notwendiges Übel?

Festes Ritual

Jeder, der im Wachdienst arbeiten will oder sogar eigene Mitarbeiter beschäftigt, steuert unweigerlich auf sie zu: die Unterrichtung nach § 34a Gewerbeordnung (GewO). Sie ist für die Bewachungsbranche in Deutschland eine Mindestqualifikation wie der Führerschein fürs Autofahren. Sinnvoll, lästig, teuer – darüber lässt sich geteilter Meinung sein. Umstritten ist sie auf jeden Fall.

 

Klotz am Bein?

Bei der Unterrichtung nach § 34a GewO zeigt sich wieder einmal, was passiert, wenn Theorie und Praxis aufeinander treffen. In der Theorie ist diese Schulung Voraussetzung für eine Anstellung im Bewachungsgewerbe, gerne darf der Bewerber auch eine höhere Qualifikation vorweisen, aber die 34a muss es mindestens sein.

In einer perfekten Welt erscheint der Bewerber deshalb zwei bis drei Wochen bevor sein Arbeitsplatz besetzt werden soll beim künftigen Arbeitgeber und hat neben dem blütenweißen Führungszeugnis gleich auch seinen Unterrichtungsnachweis dabei. Soweit zur Theorie. In der Praxis bekommt der Dienstplaner gegen Mittag einen Anruf, dass ein Mitarbeiter ausfällt und deshalb die Schicht am Abend nicht übernehmen kann. Oder ein wichtiger Kunde hat Schweißarbeiten durchgeführt und benötigt für die Nacht eine Doppelbesetzung für die Brandwache.

Was nun? Die Schicht unbesetzt lassen oder den Stammkunden verprellen, weil zwar williges und zuverlässiges Personal verfügbar wäre, aber eben ohne 34a? Letztlich wird diese Entscheidung jeder Unternehmer für sich selber treffen müssen, aber will er nach Recht und Gesetz handeln, stellt die Unterrichtung nach § 34 a GewO durchaus ein gewisses Hemmnis dar, wenn ein Bewerber sie nicht vorweisen kann.

Bescheinigung §34a GewO

Hinzu kommt, dass vorab eigentlich auch eine Prüfung des Bewerbers durch die zuständige Aufsichtsbehörde erfolgt, was die nötige Vorlaufzeit weiter erhöht. Diese Hürden sind nicht unüberwindbar, aber ganz sicher einzurechnen, wenn es darum geht, einen Arbeitsplatz in der Sicherheitsbranche zu besetzen – von der immer wieder diskutierten Verschärfung der Zutrittsbeschränkungen ganz zu schweigen.

Gute Idee als Ausgangsbasis

Oft wird reflexartig gegen jede Idee von Staat und Ordnungsorganen gewettert, obwohl die grundsätzliche Idee dahinter durchaus gut (gemeint) ist. So auch im Falle der Unterrichtung nach § 34 a GewO. Vor Einführung der Unterrichtungspflicht im Jahre 1996 war eine Einstellung möglich, ohne dass die Bewerber ihren eigenen Job wirklich einordnen konnten. Welche Rechte habe ich? Wo sind meine Grenzen? Wo stehe ich im Gesamtgefüge zwischen Auftraggeber, Polizei und möglichem Täter?

Die Folge: Nicht selten wurde über die Stränge geschlagen und wie der verlängerte Arm der Polizei aufgetreten oder die Grenzen der eigenen Zuständigkeit nicht beachtet – der Begriff „Schwarze Sheriffs“ kam nicht von ungefähr! Natürlich war auch das andere Extrem vertreten: Mitarbeiter, die gar nicht wussten, welche Rechte sie entgegen ihrer Annahmen wahrnehmen durften.

Hinzu kommt, dass sich die Unterrichtung nach 34a auch mit anderen Themen des dienstlichen Alltags befasst wie Unfallverhütungsvorschriften und Sicherheitstechnik. Gerade für Quereinsteiger bietet dies eine übersichtliche Basis, auf die dann im Rahmen von weiteren Qualifikationen (Sachkundeprüfung, Fachkraft für Schutz und Sicherheit etc.) aufgebaut werden kann. Alles natürlich vor dem Hintergrund eines sehr knappen Zeitrahmens – für Details bleibt da keine Zeit.

Die an sich gute Idee des Gesetzgebers, mit der Unterrichtung zumindest eine gewisse Eintrittsschwelle zu schaffen, wird natürlich durch die in letzter Zeit immer wieder vermeldete illegale Beschaffung solcher Dokumente ausgehebelt. Wer hier mit Photoshop und Farblaser nachhilft, wird den Sinn einer solchen Schulung ohnehin nie verstehen.

 

Notwendiger Filter

Die abschließende Frage lautet: Ist eine Schulung, die im Schnitt knapp eine Woche dauert, meist über 400 Euro an Kosten verursacht und trotzdem nur über das Nötigste informiert sinnvoll oder doch nur Schikane?

So lästig die vorherige Unterrichtung auch ist, Schikane ist sie sicher nicht. Zum einen werden zumindest die wichtigsten Rahmenbedingungen im Wachdienst erklärt und zum anderen fungiert sie auch als eine Art Filter. Wer dem Inhalt des Unterrichts nicht folgen kann – ob aufgrund mangelnder Sprachkenntnis, Unlust oder lückenhaftem Rechtsverstänsnis – ist meist auch wenig für eine seriöse Sicherheitsdienstleistung geeignet.

Sicher, es gibt etliche Beispiele von Mitarbeitern, die auch ohne eine solche Unterrichtung rein durch das eigene „Rechtsgefühl“ richtig handeln – und natürlich Mitarbeiter, bei denen auch eine Unterrichtung (sei sie noch so lange) nichts bringt. Aber: Als Kompromiss zwischen „keinerlei Vorkenntnisse“ und „jahrelange Ausbildung“ scheint die Unterrichtung nach 34a kein schlechter Ansatz zu sein.

Eine weitere Anhebung des Schwierigkeitsgrades im Rahmen der aktuellen Zutrittsdiskussion birgt die Gefahr, dass gute und zuverlässige Mitarbeiter scheitern und wirkliche Personalengpässe entstehen. Wer hier den Schwierigkeitsgrad steigern will, kann gerne freiwillig weitere Prüfungen ablegen. Die Herausforderung dürfte eher darin liegen, die an sich falschen Bewerber auszufiltern. Und das schafft man nicht durch schwerere Prüfungsfragen.

Autor des Blog-Beitrags

Michael Kulig

Michael Kulig

Geschäftsführer

Michael Kulig ist Geschäftsführer von COREDINATE und berichtet in unserem Blog regelmäßig über interessante Themen und Trends rund um die Branchen Sicherheit und Facility Management.

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