Welche Rechtsform wählen? Rechtsformen für Sicherheitsunternehmen!

Gepostet Von Dr. Jörg-Christof Bauer am 17. Jan. 2017


Welche Rechtsform wählen? Rechtsformen für Sicherheitsunternehmen!

 

Sie sind in der Gründungsphase bzw. in der Entwicklungsphase Ihres Sicherheitsunternehmens?

Dann sollten Sie sich bereits heute mit der Frage beschäftigen, welche Rechtsform Sie für Ihr Sicherheitsunternehmen wählen möchten.

Die Wahl der passenden Rechtsform ist für jedes Sicherheitsunternehmen essentiell. Eine Universallösung gibt es dabei aber nicht. Die Rechtsform muss vielmehr den Bedürfnissen des Sicherheitsunternehmens individuell angepasst werden. Aus rechtlicher Sicht ist entscheidend, wie viel Startkapital Sie zur Verfügung haben und welche Haftungsbeschränkung Sie wünschen.

Vor diesem Hintergrund zeigen wir Ihnen im Folgenden die Vor- und Nachteile der englischen Private Limited Company (Ltd.), des Einzelunternehmens bzw. der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bzw. der Unternehmergesellschaft (UG (haftungsbeschränkt)) auf.


 

Englische Private Limited Company (Limited oder Ltd.)

Von der Gründung einer ausländischen Rechtsform raten wir aus anwaltlicher Sicht ab. Neben den hohen Unterhaltskosten für Übersetzungen und für die Erstellung des Jahresabschlusses nach britischen Bilanzierungsvorschriften sprechen insbesondere auch verschärfte Publizitätspflichten gegen diese Rechtsform. Zudem bestehen erhebliche rechtliche Unsicherheiten dahingehend, wann deutsches und wann englisches Recht Anwendung auf die Limited findet. Die Nichteinhaltung der englischen Publizitätspflichten begründet überdies das Risiko der Löschung der Gesellschaft sowie einer persönlichen Haftung der Gesellschafter aufgrund der Durchgriffshaftung („wrongful trading”, „fraudulent trading”).

 

Einzelunternehmen bzw. Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Problematisch bei diesen Rechtsformen ist, dass Sie kraft Gesetzes neben dem Geschäftsvermögen auch mit Ihrem Privatvermögen unbegrenzt für alle Verbindlichkeiten des Unternehmens einstehen. Vor diesem Hintergrund sollten Sie sorgsam abwägen, wie risikoträchtig Ihr Geschäftsvorhaben ist und ob Sie nicht doch eine Haftungsbeschränkung erreichen wollen.

Dieser haftungsrechtliche Nachteil kann unseres Erachtens auch nicht dadurch aufgewogen werden, dass die Gründung eines Einzelunternehmens, beziehungsweise einer GbR bei mehr als einem Gründer, relativ unbürokratisch verläuft (weder ein notariell beglaubigter Gesellschaftsvertrag noch ein Handelsregistereintragung sind erforderlich).

Wir empfehlen Ihnen daher, Ihr Unternehmen von Anfang an auf solide Beine zu stellen, insbesondere mit Blick auf Ihre Haftung. In diesem Zusammenhang erachten wir die GmbH und die UG (haftungsbeschränkt) als interessant für Ihr Sicherheitsunternehmen.

Rechtsformwahl für Sicherheitsunternehmen

GmbH und UG (haftungsbeschränkt)

Die Rechtsform der GmbH ist derzeit wohl die häufigste Rechtsform, wenn man Kapitalgesellschaften betrachtet. Der Mindestbetrag des Stammkapitals der GmbH beläuft sich auf 25.000 Euro und darf nicht unterschritten werden. Neben Geldeinlagen können aber auch Sacheinlagen geleistet werden. Gleichwohl muss die Summe von 25.000 Euro erst einmal erreicht werden. Das kann jedoch gerade für Unternehmen, die sich in der Gründungsphase befinden, schwierig sein und somit einen Nachteil dieser Rechtsform darstellen.

Hinzu kommt die aufwändige Gründung einer GmbH, bei der ein notariell beurkundeter Gesellschaftsvertrag vorgeschrieben ist. Von einer „vereinfachten Gründung“ gemäß § 2 Abs. 1a GmbH-Gesetz (GmbHG) mit notariellem Musterprotokoll raten wir bei mehr als einem Gesellschafter ab. Aufgrund seines sehr knappen Inhalts, insbesondere aufgrund des Fehlens jeglicher Regelung zum Innenverhältnis, ist das Musterprotokoll für die Gründung einer Mehr-Personen-Gesellschaft nicht zu empfehlen. Die Kostenersparnis zwischen der Anmeldegebühr von maximal 74 EUR bei Einpersonengründungen gegenüber 148 EUR bei Mehrpersonengründungen (gemäß § 41d KostO) ist zudem zu vernachlässigen.

Bei der „vereinfachten Gründung“ einer Ein-Personen-GmbH hingegen kann ein Musterprotokoll ohne nachteilige Nebeneffekte verwendet werden, sofern Sie nicht beabsichtigen, später weitere Gesellschafter aufzunehmen oder andere Geschäftsführer einzustellen.

In jedem Fall ist die GmbH in das Handelsregister einzutragen. Vergleichsweise anspruchsvoll ist außerdem die Bilanzierungs- und Buchhaltungspflicht, die die Gesellschafter der GmbH beziehungsweise der UG (haftungsbeschränkt) trifft. Auch kann eine etwaige Auflösung aufwändig und langwierig sein.

Jedoch gibt es durchaus triftige Gründe, die für eine GmbH sprechen: Die Haftung der GmbH gegenüber Gläubigern ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Anfangs stehen also nur die 25.000 Euro Gründungskapital im Feuer, während Ihr privates Vermögen außen vor bleibt. Die Gesellschafter haften nur in absoluten Ausnahmefällen. Die GmbH genießt zudem ein hohes Ansehen im Rechtsverkehr, sei es gegenüber Geldgebern oder Geschäftspartnern. Ebenso ist ein Wechsel im Gesellschafterkreis gut regelbar.

 

Die UG (haftungsbeschränkt) als kleiner Bruder der GmbH

Die UG (haftungsbeschränkt) ist sozusagen der „kleine Bruder der GmbH“. Gründung, Handelsregistereintragung und Haftung laufen gleich. Das Mindesteinlagekapital beträgt jedoch anfänglich lediglich einen Euro pro Gesellschafter. Gegenüber der GmbH ist dies ein großer Vorteil, da nicht erst Probleme mit der Finanzierung geklärt werden müssen.

Aufgrund des niedrigeren Haftungskapitals ist für die UG (haftungsbeschränkt) jedoch gesetzlich eine Rücklagenbildung vorgesehen. Vor diesem Hintergrund möchten wir auf § 5a Abs. 3 GmbH hinweisen: In der Bilanz der UG (haftungsbeschränkt) ist eine gesetzliche Rücklage zu bilden, in die ein Viertel des Jahresüberschusses eingestellt werden muss. Durch dieses „Ansparen” soll die Kapitalausstattung der UG (haftungsbeschränkt) kontinuierlich steigen und ihr den Weg in die klassische GmbH ebnen. Sobald die Haftungssumme von 25.000 Euro erreicht ist, wandelt sie sich dann „ipso iure“, also von selbst, in eine GmbH um. Aus diesem Grund sind Sacheinlagen bei der UG (haftungsbeschränkt) ausgeschlossen.

Zudem muss die UG in der Firma die Bezeichnung „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ oder „UG (haftungsbeschränkt“) führen. Der Zusatz „(haftungsbeschränkt)“ darf nicht abgekürzt oder gar weggelassen werden. Ohne Frage kann dieser explizite Hinweis zu einem geringeren Ansehen im Geschäftsverkehr als bei der GmbH führen.

 

Fazit

Aus rechtlicher Sicht favorisieren wir ganz klar die GmbH als passende Rechtsform für Ihr Sicherheitsunternehmen. Auf diese Weise werden die persönliche Sphäre einerseits und die unternehmerische Sphäre andererseits klar und sauber voneinander getrennt. So kommt es zu keiner haftungsrechtlichen Vermischung, an deren Ende Ihnen drohen könnte, mit Ihrem Privatvermögen zu haften.

 

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Bild: © Ingo Bartussek / Fotolia

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