Drohnen im Sicherheitsdienst

Gepostet Von Konstantin Krassmann am 27. Mrz. 2016


Drohnen im Sicherheitsdienst

Vom Randphänomen zum Standard

Drohnen haben eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Auch wenn diese teilweise recht komplexen Konstruktionen sehr modern anmuten, waren sie doch einst der Vorläufer unserer heutigen Helikopter. Bis zur Erfindung leistungsfähiger Ausgleichskomponenten wie der Taumelscheibe wurde nämlich versucht, den doch recht unruhigen Flug der ersten Hubschrauber mit mehreren Rotoren auszugleichen.

Als es durch Weiterentwicklung gelang, den Flug mittels nur einem Hauptrotor zu kontrollieren, gerieten Ansätze, die den heutigen Drohnen ähneln, sehr schnell in Vergessenheit. Als sogenannte Quadrocopter wurden höchsten im Kreise von Modellbau-Tüftlern an ihnen festgehalten. Glücklicherweise! Denn auch dort gelang es durch stete Weiterentwicklung, dass diese Flugapparate nicht mehr nur durch Profis zu beherrschen sind und deshalb auch nicht mehr länger ein Schattendasein fristen.

Wurden die ersten Drohnen nicht zuletzt aufgrund des hohen Preises noch ausschließlich von Militär, Vermessungsbehörden oder Fotografen für professionelle Luftbilder genutzt, sind Einstiegsmodelle mittlerweile zu einem Bruchteil der einstigen Kosten für jedermann verfügbar. Um einen breiten Markt zu erschließen, musste man zudem einfache Bedienbarkeit gewährleisten, was dank modernster Technik offenbar kostengünstig gelang. So ist es heute problemlos möglich, eine Drohne, die sich selbst in der Luft stabilisiert, mit dem Handy zu steuern.

 

Die Rechtslage

Die rechtliche Situation für alle Drohnenpiloten begann ausgesprochen sorglos. Da kaum Drohnen im Einsatz waren und diese meist auch von entsprechenden „Fachleuten“ geflogen wurden, waren diese Flugapparate auch nicht von der Rechtsprechung erfasst. Erlaubt war quasi alles, was nicht unmittelbar Leib und Leben sowie das Eigentum anderer gefährdete. Mit der Anzahl der Drohnen, die bald von einem breiteren Publikum genutzt wurden, kamen mit den ersten Unfällen nicht nur Haftungsfragen auf.
Da viele Drohnen standardmäßig mit Kameras ausgestattet sind, verloren Gartenzäune und höhere Wohnetagen schnell ihre schützende Wirkung, was die Privatsphäre anbelangt. Was der Presse bei der Jagd nach möglichst intimen Promifotos diente, war nun auch für den neugierigen Nachbarn nützlich.

Drohne Sicherheitsdienst COREDINATE

Von der Datenschutzdebatte einmal ganz abgesehen, kann eine Drohne in den falschen Händen durchaus auch materiellen Schaden anrichten. Es dauerte also nicht lange, bis der Gesetzgeber ein entsprechendes Regelwerk auf den Weg brachte. Nach aktuellem Stand ergeben sich daraus in Deutschland vor allem die folgenden wichtigsten Eckpunkte:

  • Der Betrieb außerhalb der Sichtweite ist grundsätzlich verboten
  • Weitere Einschränkungen bestehen für Drohnen mit Kameras
  • Verbot des Überfliegens bestimmter Gebiete wie Krankenhäuser, Gefängnisse oder Menschenansammlungen
  • Eine ausreichende Versicherung muss vorliegen
  • Einhaltung einer Schutzzone von 1,5 Kilometern um internationale Flughäfen herum
  • Bei gewerblicher Nutzung ist eine Aufstiegserlaubnis erforderlich

Da dieser Blog natürlich nur die zum Zeitpunkt der Erstellung gültige Rechtslage wiedergeben und auch keine Rechtsberatung bieten kann, empfehlen wir die Lektüre der entsprechenden Vorschriften des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung über unbemannte Luftfahrtsysteme. Für Österreich und die Schweiz gelten ggf. andere Vorgaben.

 

Die Drohne im Sicherheitsdienst – ein mögliches Szenario?

Drohnen sind mittlerweile günstig, relativ leicht zu bedienen und multifunktionell einsetzbar. Wenn selbst der Onlinehändler Amazon ernsthaft darüber nachdenkt, Ware mit Drohnen auszuliefern, scheint die Drohne als alltägliches Arbeitstier kein Widerspruch mehr zu sein. Wie bereits erwähnt, sind auch die meisten Drohnen von sich aus mit Kameras ausgestattet, weshalb man sich mit ihnen aufgrund ihrer erhöhten Flugposition sehr schnell einen Überblick über unwägsames Gelände verschaffen kann.

Dem kommt wiederum die (traurige) Realität im Bewachungsgewerbe entgegen, denn dort ist ein Mitarbeiter meist für die Absicherung einer derart großen Fläche verantwortlich, dass er am einen Ende unmöglich mitbekommen kann, was am anderen Ende passiert – insbesondere bei Freiflächen oder großen Fabrikgeländen. Hier könnte ein Blick auf das Gelände aus der Vogelperspektive schon Gold wert sein und die Arbeit erheblich erleichtern.

Trotzdem stoßen wir in diesem Anwendungsfall auf die folgenden drei Probleme:

Wer steuert?

Diese Frage lässt sich von allen dreien noch am leichtesten beantworten. Sicher muss jemand oder etwas die Drohne steuern und sicher müssen wir uns dabei nach Recht und Gesetz richten (Sichtkontakt!). Aber schließlich geht es hier nicht um akrobatischen Kunstflug, sondern um einen einfachen Überblick über das Gelände. Technisch ist es zwar mittlerweile möglich, eine Drohne auf einen vorher programmierten Rundkurs zu schicken, aber hier dürfte uns wieder das Problem des Sichtkontakts sowie die Bedingungen vor Ort (Maschinen und Bauten im Flugweg) einen Strich durch die Rechnung machen. Gegen einen geraden Steigflug, den die Sicherheitskraft überwachen kann, dürfte aber nichts sprechen.

Welche Stromversorgung?

Durch immer leistungsfähigere Akkus scheint sich auch dieses Problemfeld langsam zu entspannen. Waren noch vor einigen Jahren Flüge nur für die Dauer weniger Minuten möglich, geben die Hersteller mittlerweile 40 Minuten und länger an – abhängig natürlich von Wind und Traglast wie z. B. Kameras. Für einen kurzen Übersichtsflug dürfte jeder Akku mittlerweile ausreichen, trotzdem gehört laufendes Nachladen zum festen Bestandteil der Drohnennutzung.

Welche Information wird geliefert?

Diese Frage trennt eine Drohne für den Amateureinsatz von den Modellen, die für den Einsatz im Sicherheitsdienst überhaupt in Frage kommen. Handelsübliche Drohnen sind für ein Foto über den Dächern der Stadt sicher ganz nett, für die Erfordernisse der Sicherheitsbranche genügen sie jedoch nicht. Dies weniger, weil die Bildqualität nicht ausreichen würde – auch semiprofessionelle Drohnen liefern mittlerweile erstaunlich ruhige und hochauflösende Bilder aus Kameras, die teilweise sogar über Zoom verfügen. Das Problem liegt eher in der Natur des Wachdienstes, denn der wird meistens nachts gebraucht. Egal wie hochauflösend: An schlechten Lichtverhältnissen scheitern die meisten Kameras oder liefern zumindest Ergebnisse, mit denen nicht wirklich gearbeitet werden kann.

Einen interessanten Ausweg bieten hier Wärmebildkameras, die – ähnlich den Drohnen – immer erschwinglicher werden. Wärmebildkameras reagieren auf die Wärmesignatur von Objekten, was einen entscheidenden Vorteil bietet: Alle unbelebten Objekte treten in den Hintergrund. So lange also Steine und Bäume keine Einbrüche verüben, hat das Sicherheitspersonal gute Chancen, einen ungebetenen Gast weit schneller auf dem Videobild zu entdecken, als mit handelsüblichen Kameras. Ein sich bewegender leuchtender Punkt auf dem Luftbild lohnt also durchaus einen zweiten Blick, während alle anderen Umrisse eher ignoriert werden können – der für die Videoauswertung typische Informations-Overflow entfällt.

 

Wachmann oder Drohne?

Entsprechend dem Grundsatz „Maschine ersetzt Mensch“ ist diese Frage durchaus legitim. Unsere Geschichte ist voll von Beispielen, in denen einst vom Menschen verrichtete Arbeitsschritte im Laufe der Zeit von Maschinen übernommen wurden. Diesen Sachverhalt auf die Sicherheitsbranche zu übertragen, erscheint jedoch nicht sinnvoll. Im Idealfall sieht, hört und riecht eine Sicherheitskraft und ist auch in der Lage intuitiv und spontan zu handeln.

Die Frage „Wachmann ODER Drohne“ im Bereich Security stellt sich deshalb nicht, vielmehr macht ein kombinierter Einsatz Sinn. Genauso, wie eine Alarmanlage das Sicherheitspersonal nicht wirklich ersetzen kann, sondern lediglich seine „Sensorik“ erweitert, kann die Drohne als „fliegendes Auge“ den Wachmann unterstützen. Dies muss nicht permanent geschehen, sondern z. B. nur in Verdachtsfällen, in denen die Sicherheitskräfte vom Eindringen unberechtigter Personen ausgehen und sich durch eine Übersicht über das Gelände Sicherheit verschaffen möchten.

Insbesondere bei der Freifeldüberwachung machen Drohnen also durchaus Sinn, wenn im Vorfeld neben den rechtlichen Fragen auch die drei oben genannten beantwortet wurden.

 

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Autor des Blog-Beitrags

Konstantin Krassmann

Konstantin Krassmann

Entwicklungschef

Konstantin Krassmann ist Entwicklungschef bei COREDINATE. In regelmäßigen Abständen berichtet er über technische Neuentwicklungen und interessante Anwendungsfälle.

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