De Maizières Hilfssheriffs

Gepostet Von Daniel Karl am 16. Jun. 2016


De Maizières Hilfssheriffs

 

Bedarf erkannt

Nun sollen Sie also kommen, die Wachpolizisten. Zumindest schlägt das der oberste Dienstherr aller Polizeiorgane in Deutschland, Innenminister Thomas de Maizière, vor. „Bedarf erkannt“, könnte man meinen, denn die Zahl der Wohnungseinbrüche hat einen neuen Rekordstand erreicht. Doch muss es gleich ein neues Polizeiorgan sein oder könnten auch private Sicherheitsdienste diese Aufgabe erfüllen? Kostengünstiger und vor allem flexibler?

 

Späte Erkenntnis

Der platte Satz „Früher war alles besser“ gilt sicher in den wenigsten Fällen. Zu oft wird Vergangenes beschönigt und im Rahmen von Kindheits- und Jugenderinnerungen glorifiziert. Die Sicherheitstechnik war früher extrem teuer und bei weitem nicht so leistungsfähig wie heute, private Sicherheitsdienste fand man in Uniformen, die eher an Schaffner erinnerten, am ehesten noch im Museum, wo sie auf einem Stuhl im Eck über die Gemälde wachten. Seitdem hat sich im Sicherheitsbereich viel getan. Die Technik entwickelte sich rasant weiter, die Ausbildung der Sicherheitskräfte wurde realistischer. Aber eines war früher tatsächlich besser: Die Präsenz der Polizei vor Ort.

Sicher: Auch das lässt sich nicht verallgemeinern. Es erscheint durchaus vernünftig, die Polizei in Gebieten zu ballen, die als Brennpunkte gelten – da fällt ein Mofadiebstahl auf dem flachen Land weniger ins Gewicht. Das Problem ist nur: die neue Einbruchswelle betrifft zunehmend das flache Land. Nun scheint unsere Regierung in regelrechte Maßnahmenwut zu verfallen und bezuschusst sogar die Anschaffung von Alarmanlagen. Dass dies wiederum kein Patentrezept sein kann, unterstreicht auch unser Blogbeitrag zum Thema Wachmann oder Alarmanlage?, den viele unserer Leser ebenso bestätigen.

De Maizières Hilfssheriffs

Trotzdem ist es durchaus löblich, dass öffentlich eingestanden wird, dass hier ein Defizit besteht und wie man es lösen könnte. Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob die Ursache nun in der schon vor Jahren umgesetzten Grenzöffnung liegt oder in der jüngsten Flüchtlingssituation, in der die Regierung womöglich die Übersicht verloren hat. Die Auswirkungen werden sichtbar und es gilt zu reagieren.

 

Wachpolizei als Lösung?

Auch wenn der Innenminister die Idee einer Wachpolizei erstmals auf Bundesebene erwähnt: Neu ist dieser Einfall nicht. So haben einzelne Bundesländer immer wieder mit ähnlichen Ideen experimentiert, eingeführt und teilweise auch wieder abgeschafft. Kritisiert wurde dabei vor allem die zumindest in der Praxis zweifelhafte Rechtslage (Wachpolizisten waren bislang keine Ermittlungspersonen der Staatsanwaltschaft und damit rechtlich der normalen Polizei nicht gleichgestellt) sowie die recht eingedampfte Ausbildung. Auch de Maizière plant eine Ausbildung im Schnellverfahren um seine Idee möglichst schnell umsetzen zu können.

Das Bundesland Sachsen, das immer wieder als Vorreiter in Sachen Wachpolizei genannt wird, bildet seine Einsatzkräfte derzeit in nur drei Monaten aus. Das kann durchaus für Kopfschütteln sorgen, wenn man sich bewusst macht, dass die Ausbildungen zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit oder auch zum Meister für Schutz und Sicherheit weit länger dauern – und bei diesen Absolventen handelt es sich dann „nur“ um Privatpersonen mit Jedermannsrechten, während die Wachpolizei Sonderrechte bekommt.

Nach den Vorfällen in Asylbewerberheimen wird immer wieder eine Verschärfung der Zugangsvoraussetzungen in den Wachdienst diskutiert. Mit der nun vorliegenden Turbo-Ausbildung zur Wachpolizei darf der Staat nun beweisen, dass er es besser kann. Die Probleme dürften sich ähneln.

 

Private Sicherheitsdienste als Alternative

Eine wirklich klare Entscheidung traut sich die Politik offensichtlich nicht zu. Unsere Polizei braucht Unterstützung, aber diese offiziell durch private Sicherheitsunternehmen anzufordern, erzeugt offenbar Schwellenangst. Vielleicht würde dies auch als Offenbarungseid fehlgedeutet werden, als Eingeständnis, dass man es alleine nicht hinbekommt. Stattdessen geht man einen rechtlich nicht unumstrittenen Weg über Personal, das nicht so richtig verbeamtet, aber auch nicht privat angestellt ist.

Dabei ist die Idee der privaten Unterstützung für staatliche Organe nicht abwägig und wurde nach unserem letzten Blogbeitrag Private Sicherheitsdienste für leichte Polizeiaufgaben heftig in den Sozialen Medien diskutiert. Gerade bei einer verkürzten Ausbildung, wie sie bei der Wachpolizei vorliegt, können die einzelnen Ausbildungen in der privaten Sicherheit durchaus mithalten.

Auch die Eintrittsvoraussetzungen zur Wachpolizei sind sicher kein Hexenwerk, wenn man das Modell Sachsen als Ausgangsbasis heranzieht. Auf deren Website finden sich aktuell die folgenden Voraussetzungen:

  • Deutsche/r bzw. Staatsangehörige/r der EU
  • Du trittst jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes ein
  • Tätowierungen, Piercings u. ä. dürfen im Dienst nicht sichtbar sein und nicht gegen Grundsätze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verstoßen
  • geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
  • Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung oder einem gleichwertigen Bildungsstand
  • Mindestgröße 160 cm
  • mind. 20 aber noch keine 33 Jahre alt
  • charakterliche und körperliche Eignung
  • keine Vorstrafen
  • Führerschein Klasse B oder eine gleichgestellte Fahrerlaubnis
  • Auswahlverfahren bestehen

Die meisten dieser Punkte setzt wohl auch ein normaler Wachdienst voraus, der eine seriöse Dienstleistung liefern will. Das zuletzt genannte Auswahlverfahren orientiert sich offenbar an dem für normale Polizisten und darf sicher nicht unterschätzt werden. Aber das darf z. B. die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit auch nicht.

Rein inhaltlich würde also nichts dagegen sprechen, private Sicherheitskräfte für Tätigkeiten vorzusehen, für die jetzt eine Wachpolizei geplant ist. Ein guter Wachmann bzw. eine gute Wachfrau ist kritischen Situationen sicher mindestens ebenso gewachsen, wie ein Wachpolizist nach drei Monaten Schnellkurs. Die Frage ist nur: Wie setzt man es um? Private Unternehmen im Auftrag des Staates – das riecht nach Ausschreibung. Und in dem Fall machen dann wohl wieder nur die Billigsten das Rennen.

 

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Autor des Blog-Beitrags

Daniel Karl

Daniel Karl

Leiter Marketing

Daniel Karl ist bei COREDINATE für den Fachbereich Marketing zuständig. In unserem Blog berichtet er in regelmäßigen Abständen von praxisbezogenen Tipps und interessanten Empfehlungen.

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