Bewachung von Asylunterkünften – Chance oder Risiko?

Gepostet Von Michael Kulig am 23. Aug. 2016


Bewachung von Asylunterkünften – Chance oder Risiko?

 

Thema mit Sprengkraft

Kaum ein Thema hat unsere Nation – und wohl auch ganz Europa – in den letzten Monaten so beschäftigt, wie die „Flüchtlingskrise“. Über die Ursache streiten die Gelehrten, von den Auswirkungen ist hingegen jeder betroffen. Egal ob als Steuerzahler, ehrenamtlicher Helfer oder Angehöriger einer betroffenen Branche, wie der Sicherheitsdienstleistung. Überwiegen für diese Branche Chancen oder Risiken?

 

Ganze Völker auf Wanderschaft

Flüchtlingsströme an sich sind keine Erscheinung der jüngsten Vergangenheit, sondern waren immer da. Neu ist nur das Ausmaß, mit dem sich Deutschland und seine europäischen Nachbarn in den letzten Monaten konfrontiert sahen. Insbesondere aus Syrien, Afghanistan und Somalia machten sich inzwischen Millionen Menschen auf den erhofften Weg in eine bessere Zukunft – und entfalteten dabei einen regelrechten Sog, den mitunter auch weniger hilfsbedürftige oder gar kriminelle Gäste nutzten.

Wenn Menschen leiden, muss geholfen werden, da gibt es vom Grundsatz her keine Diskussion – schließlich war unser eigenes Land auch schon auf Hilfe von außen angewiesen. Nur will auch die edelste Absicht im täglichen Leben organisiert sein. Wenn alleine in Bayern bis zu 8.700 Menschen pro Tag die Grenzen passieren, klingt das jedenfalls nach einer echten Herausforderung für das berühmte deutsche Organisationstalent.

Bewachung von Asylunterkünften - Chance oder Risiko?

Die Sicherheitsbranche betrifft diese Entwicklung gleich aus zwei Gründen: Zum einen leistet sie vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften wichtige organisatorische Arbeit und zum anderen ist in der Bevölkerung ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis spürbar. Es wird befürchtet, dass wir uns Kriminalität importieren und da werden Aufsichtspersonen – egal ob begründet oder nicht – grundsätzlich eher positiv wahrgenommen.

 

Schwieriger Job im Schlaglicht

Nicht zuletzt weil der Staat mit seinen Ordnungsorgangen alleine bei der Flüchtlingskrise überfordert wäre, füllten private Sicherheitsdienste diese Lücke. Hier wurden in atemberaubender Geschwindigkeit und nicht nur alleine in Deutschland Tausende neue Jobs im Sicherheitssektor geschaffen. Eigentlich keine schlechte Entwicklung, sollte man meinen, oder?

Nur ist es hier ebenso wie in anderen Bereichen des Lebens: Wenn es schnell gehen soll, leidet meist die Qualität. Um dem Flüchtlingsstrom organisatorisch auch nur halbwegs standhalten zu können, wurden die Sicherheitsposten in Rekordzeit besetzt – und nicht immer blieb Zeit für einen „Backgroundcheck“ (der auf Behördenseite ohnehin nur Vorstrafen umfasst).

Der Zündstoff ergibt sich hier durch die Kombination von schlechter Arbeitsqualität auf sehr emotionsgeladener Bühne. Dabei ist es dann auch egal, dass sadistische Sicherheitsmitarbeiter mit Machtkomplexen eine Minderheit darstellen. Fotos mit Wachleuten, die Flüchtlinge erniedrigen sind geeignet, eine ganze Branche in Verruf zu bringen und das ewige Thema der verschärften Zutrittsbedingungen in diese Branche neu zu entfachen – offensichtlich nicht ohne Grund.

Unerwähnt bleibt dann die hervorragende Arbeit, die die Sicherheitsbranche beim Flüchtlingsthema mit kaum vorhandener Vorbereitungszeit geleistet hat und noch immer leistet. Eine Arbeit im Schlaglicht der Öffentlichkeit, die Ordnungsorganen ganz allgemein zunehmend kritisch gegenübersteht und sich reflexartig meist auf die Gegenseite stellt. In diesen Jobs dann noch selbstsicher und unverkrampft aufzutreten, verdient umso größeren Respekt.

Es ist das Schicksal unserer Branche, dass nach einem Konfliktfall Ermittler, Presse und Öffentlichkeit genüsslich darüber wetteifern, wie man sich am besten hätte verhalten sollen und in diesem Sinne dann auch ihr Urteil fällen. Freilich ohne in einer adrenalingeladenen Situation selbst handeln zu müssen, sondern rückblickend und vom Schreibtisch aus. Wehe dem Sicherheitsmitarbeiter, der auf eine Provokation – und sei sie noch so drastisch – eingeht.

 

Chancen überwiegen

Genau diese Provokation kann aber nicht ausgeschlossen werden, wo unterschiedlichste Kulturen aufeinander prallen und die Security dazwischen steht. Mitarbeiter, die hier nicht über ein gerüttelt Maß an Gelassenheit verfügen, werden nicht selten Teil dieses Konflikts. Ebenso gibt es aber sehr positive Berichte von Begegnungen mit interessanten Kulturen und dem Gefühl, nicht nur einen Job zu verrichten, sondern wirklich zu helfen.

Eines darf zudem nicht vergessen werden, auch wenn der Flüchtlingsstrom in den letzten Wochen abgeebbt ist: Man kann diese Entwicklung als ersten Probelauf verstehen, bei der es für private Sicherheitsunternehmen galt, Hand in Hand mit ehrenamtlichen Helfern, Behörden und Polizeiorgangen zusammenzuarbeiten. Es gab Startschwierigkeiten und sicher ist auch noch heute nicht alles Gold, was glänzt. Aber alles in allem hätte es sicher auch schlechter laufen können.

In jedem Fall hat das Sicherheitsgewerbe bewiesen, dass es auch im Stande ist, eine solche Mammutaufgabe zu stemmen. Gut zu wissen – es wird nicht die Letzte gewesen sein!

Wie ist Ihre Meinung dazu? Diskutieren Sie mit – direkt unterhalb dieses Beitrags oder auf Facebook!

Autor des Blog-Beitrags

Michael Kulig

Michael Kulig

Geschäftsführer

Michael Kulig ist Geschäftsführer von COREDINATE und berichtet in unserem Blog regelmäßig über interessante Themen und Trends rund um die Branchen Sicherheit und Facility Management.

1 Kommentar

  1. Interessanter Beitrag! Gerade bei vergangenen Ereignissen ist es leider logisch, dass die Meinung der Öffentlichkeit über unsere Branche weiter ins negative abdriftet. Trotzdem darf wie bereits geschrieben wurde nicht vergessen werden, dass der absolute Großteil der Sicherheitsmitarbeiter ihren Job gewissenhaft und nach den gegebenen Möglichkeiten erfüllen.
    LG
    Chris

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